EVALUATION DER SOFORTMASSNAHMEN IM OBERMÜNSTERVIERTEL
Im Rahmen des Reallabors Obermünsterviertel in Regensburg wurden vom Amt für Stadtplanung und Mobilität in Zusammenarbeit mit dem Labor der kreativen Köpfe verschiedene Sofortmaßnahmen umgesetzt, um die Aufenthaltsqualität zu steigern, neue Nutzungsformen im öffentlichen Raum zu erproben und neue Verkehrsangebote zu testen. Dazu zählen unter anderem neue Sitzgelegenheiten, Begrünung, eine Bodenbemalung am Obermünsterplatz sowie Angebote für den Radverkehr.
Um zu verstehen, wie diese Maßnahmen wahrgenommen werden, wurde auf der städtischen Beteiligungsplattform eine Online-Umfrage durchgeführt. Die Ergebnisse geben Einblick in die Perspektiven unterschiedlicher Nutzendengruppen und bilden eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Viertels.
Die Umfrage in Zahlen
Die Online-Umfrage lief vom 28. August bis 31. Oktober 2025 auf der städtischen Beteiligungsplattform mein.regensburg.de. Insgesamt nahmen 142 Personen teil.
Die Mehrheit der Teilnehmenden war zwischen 30 und 49 Jahre alt. Nicht alle Fragen wurden von allen Personen beantwortet, daher variiert die Anzahl der Antworten je Fragestellung.
Teilnehmende nach Nutzendengruppen:
- Passantinnen und Passanten: 70
- Anwohnende: 29
- Feiernde: 10
- Geschäftstreibende: 9
- Touristinnen und Touristen: 1
- Sonstige: 6
- Nicht beendet: 17
Themen der Umfrage
Die Umfrage beschäftigte sich mit den bis August 2025 im Obermünsterviertel umgesetzten Sofortmaßnahmen und behandelte dabei verschiedene Themenbereiche:
- Informationsstand der Befragten
- Mobilität
- Aufenthaltsqualität
- Atmosphäre, Sicherheit und Ordnung
Wunsch nach weiteren Maßnahmen
Informationsstand der Befragten
Die Kommunikation rund um die Maßnahmen wird größtenteils positiv bewertet: Die Menschen fühlen sich allgemein über die geplanten Maßnahmen informiert, die Anwohnenden sind sich zum Teil unsicher. Das deutet darauf hin, dass die genutzten Informationskanäle für die breite Öffentlichkeit gut funktionieren, die spezifische und tiefere Ansprache der unmittelbaren Anwohnerschaft jedoch noch optimiert werden soll, um deren Unsicherheiten zu mindern.
Mobilität und Infrastruktur
-
Fortbewegung im Viertel
Die meisten Befragten bewegen sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad durchs Viertel. Dies unterstreicht die Relevanz, bei der Förderung der Nahmobilität gerade diese Nutzendengruppen zu berücksichtigen. Bei den motorisierten Verkehrsmitteln zeigen sich jedoch klare Unterschiede: Anwohnende nehmen auch Kraftfahrzeuge, weniger auch die Geschäftstreibenden. Dies deutet darauf hin, dass für die Anwohnerschaft, anders als für die Geschäftstreibenden, weiterhin eine hohe Abhängigkeit vom Auto besteht, was bei künftigen Planungen berücksichtigt werden sollte.
-
Neue Mobilitätsangebote
Die Bereitstellung neuer Mobilitätsinfrastruktur wird mit unterschiedlicher Intensität angenommen: Fahrradständer werden genutzt, die anderen Angebote (Lastenradparkplatz, Fahrradreparaturstation, E-Roller-Station) weniger. Die neuen Abstellmöglichkeiten scheinen einen echten Bedarf zu decken. Eine interessante Beobachtung betrifft die Reparaturstation: Sie wird am ehesten von Geschäftstreibenden genutzt.
-
Verkehrsberuhigung
Die Verkehrsberuhigung im Viertel zeigt insgesamt positive Effekte. Laut der Mehrheit der Befragten hat sich das Verkehrsaufkommen seit ihrer Einführung verringert. Zudem scheint sich die Verkehrsberuhigung teilweise positiv auf den Lärmpegel vor Ort auszuwirken. Besonders für Passantinnen und Passanten stellt sie außerdem einen Beitrag zu einem erhöhten Sicherheitsgefühl dar.
-
Parkplätze oder alternative Nutzung
Eine Frage beleuchtete den zentralen Konflikt bei der Gestaltung des Viertels: die Priorität von Aufenthaltsqualität oder Stellplätzen. Das Gesamtergebnis (aller Befragten) zeigt mit 81% eine klare Präferenz für die alternative Nutzung. Bei den Anwohnenden ist die Zustimmung für diese Option mit 57% zwar ebenfalls mehrheitlich, aber die Akzeptanz für Parkplätze (43%) liegt hier im Vergleich deutlich höher und unterstreicht die Sensibilität dieses Themas für die direkte Nachbarschaft.
Aufenthalt und Gestaltung
-
Sitzgelegenheiten
Die Ergebnisse zeigen deutliche Muster bei der Nutzung der Sitzgelegenheiten nach Alter und Tageszeit. Ältere Menschen nutzen die Sitzgelegenheiten in der Obermünsterstraße nur sehr selten nachts, jüngere Menschen tagsüber und deutlich öfter nachts. Dies spiegelt das unterschiedliche Freizeitverhalten der Altersgruppen wider.
-
Bodenbemalung
Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Bodenbemalung Aufmerksamkeit auf den Obermünsterplatz lenkt. Gleichzeitig wird die Bodenbemalung am Obermünsterplatz unterschiedlich wahrgenommen. Während sie für Außenstehende die Aufenthaltsqualität erhöht und als atmosphärische Bereicherung empfunden wird, teilen die Anwohnenden diese Einschätzung nicht. Sie sehen in der Bodenbemalung keinen Beitrag zur Identität des Viertels. Diese unterschiedliche Wahrnehmung verdeutlicht, dass bei dauerhaften Gestaltungsmaßnahmen die Identifikation und Akzeptanz der direkten Nachbarschaft stärker berücksichtigt werden sollte.
Zudem zeigt sich eine altersabhängige Wirkung der Bodenbemalung: Jüngere Menschen fühlen sich durch das temporäre Gestaltungselement zum Verweilen eingeladen, während ältere Personen ab etwa 50 Jahren kaum angesprochen werden. Das temporäre Gestaltungselement hat damit eine klare Zielgruppenwirkung.
-
Begrünung
Die Begrünung fällt als Maßnahme besonders positiv auf, da sie von allen Gruppen gut angenommen wird und das Wohlbefinden im Viertel spürbar verbessert. Sie zeigt, dass mehr Grün im Viertel auf breite Zustimmung stößt und eine positive Wirkung hat.
Atmosphäre und Ordnung
-
Atmosphäre
Die Atmosphäre hat sich für die meisten verbessert: Geschäftstreibende, Passanten und Passantinnen, sowie Feiernde finden, dass sich die Atmosphäre im Viertel durch die Sofortmaßnahmen insgesamt verbessert hat. Die Anwohnenden sind hier geteilter Meinung. Dieses Ergebnis stellt die größte Herausforderung dar, denn es zeigt, dass die direkten Anlieger von den Maßnahmen im Gesamtbild (noch) nicht alle profitieren oder gar eine Beeinträchtigung empfinden, während andere Nutzendengruppen eine klare Verbesserung feststellen.
-
Sicherheit
Auch wenn sich das Sicherheitsgefühl von Passantinnen und Passanten durch die Verkehrsberuhigung verbessert hat, zeigt eine Analyse nach Altersgruppen, dass das allgemeine Sicherheitsgefühl im Viertel durch die Sofortmaßnahmen nicht bei allen Gruppen gleichermaßen gestärkt wurde: Ältere Menschen stimmen weniger zu, dass sie sich im Viertel sicherer und wohler fühlen. Insbesondere nachts fühlt sich keine der Altersgruppen sicherer und wohler im Viertel.
Dieses Ergebnis deutet auf einen spezifischen Handlungsbedarf hin. Künftige Maßnahmen sollten darauf ausgerichtet sein, die Hintergründe dieser gefühlten Unsicherheit zu klären und Maßnahmen zu entwickeln, die das Wohlbefinden und die Sicherheit im öffentlichen Raum nachhaltig steigern.
-
Sauberkeit
Das Thema Sauberkeit wird unterschiedlich beurteilt und zeigt ein klares Zeitmuster: Ob die Flächen frei von Müll sind, wird tagsüber gemischt beurteilt, nachts ist man sich aber einig, dass dies nicht der Fall ist. Das deutet auf einen Handlungsbedarf im Bereich der nächtlichen Entsorgung und Kontrolle hin, um die Sauberkeit auch in den Abendstunden zu gewährleisten.
Wünsche
-
Wunsch nach weiteren Maßnahmen
Das Konzept der Sofortmaßnahmen wird insgesamt positiv aufgenommen: Alle Nutzendengruppen wünschen sich zusätzliche Angebote im Rahmen der Sofortmaßnahmen. Die Bürgerinnen und Bürger sehen in den Maßnahmen einen grundsätzlich richtigen Schritt und haben den Wunsch, die Gestaltung des Viertels fortzuführen.
Besonders gefragt sind Maßnahmen zur Beschattung sowie Angebote, die Wasser ins Viertel bringen und damit zur Aufenthaltsqualität beitragen. Spielangebote hingegen werden von den Befragten als weniger relevant eingeschätzt.
-
Spielangebote
Vor allem Passantinnen und Passanten und 30- bis 49-Jährige wünschen sich mehr Spielangebote im Viertel. Anwohnende und Geschäftstreibende wollen keine (zusätzlichen) Spielangebote.
-
Konsumfreier Aufenthalt
Eine Mehrheit der Befragten wünscht sich mehr konsumfreie Sitzgelegenheiten im Viertel. Dieser Wunsch wird durch die Anwohnerschaft kaum geteilt.
-
Grün und Sitzgelegenheiten
In der Umfrage hatten die Befragten die Möglichkeit, auf einer Karte anzugeben, an welchen Orten sie sich mehr Grün und Sitzgelegenheiten wünschen würden. Pro Person konnte jeweils ein Wunschort markiert werden.
Offene Rückmeldungen
Neben der Beantwortung der Multiple-Choice-Fragen hatten die Befragten die Möglichkeit, offene Fragen zu beantworten:
- Inwiefern hat sich die Lärmsituation durch die Sofortmaßnahmen verändert?
- Welche zusätzlichen Angebote wünschen Sie sich?
- Haben Sie Anpassungswünsche oder Feedback bezüglich der bestehenden Sofortmaßnahmen?
Da sich die offenen Antworten inhaltlich teilweise überschnitten - etwa wenn Lärm auch im Rahmen allgemeiner Rückmeldungen zu den Sofortmaßnahmen thematisiert wurde - werden die zentralen Erkenntnisse im Folgenden gebündelt dargestellt. Von den insgesamt 142 Teilnehmenden an der Umfrage, lieferten 40 Personen Antworten bei den offenen Fragen.
-
Lärm und nächtlicher Aufenthalt
Das Thema Lärm, insbesondere in den Nachtstunden, stellt weiterhin ein zentrales Problem im Viertel dar. Zwar wird der Wegfall von Parkplätzen und der damit verbundene reduzierte Autoverkehr überwiegend als Verbesserung wahrgenommen, jedoch habe sich der Lärm durch nächtlichen Aufenthalt kaum verringert. Teilweise wird sogar eine Verschärfung durch konsumfreie Sitzgelegenheiten beschrieben. Zudem wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass der Lärm durch Personen, die mit ihren Autos durch die Straßen fahren und dort "posieren", zugenommen habe. In diesem Zusammenhang äußerten viele Befragte den Wunsch nach weiteren Maßnahmen zur Reduzierung des nächtlichen Lärms, etwa durch eine stärkere Regulierung von Automatenläden, vermehrte Kontrollen oder zeitliche Einschränkungen der Nutzung von Sitzgelegenheiten (z. B. nur tagsüber).
-
Gestaltung, Grün, Wasser und Schatten
Mehrfach wurde zudem die Gestaltung einzelner Sofortmaßnahmen kritisch bewertet. Diese wurden teilweise als wenig ansprechend wahrgenommen, was auf einen vorhandenen - wenn auch subjektiven - Anspruch an die gestalterische Qualität im Viertel hinweist.
Ein besonders deutlich formulierter Wunsch war jener nach mehr Grün, Verschattung sowie Angeboten mit Wasser. Genannt wurden unter anderem zusätzliche Bepflanzung, Trinkwasserspender und kühlende Elemente wie Nebelsprühwände.
-
Sauberkeit und Ordnung
Ein weiteres wiederkehrendes Thema war die Sauberkeit und Ordnung im Viertel. Neben dem Problem des nächtlichen Urinierens wurden auch konkrete Vorschläge genannt, etwa die Schaffung geeigneter Abstellplätze für Mülltonnen und gelbe Säcke.
-
Verkehr und Parken
Der Verkehr im Viertel wurde ebenfalls häufig angesprochen. Einerseits wurde die angespannte Situation für Anwohnende durch zu wenige ausgewiesene Anwohnerstellplätze kritisiert. Andererseits zeigte sich ein klarer Wunsch nach Verkehrsberuhigung. Genannt wurden unter anderem verstärkte Verkehrs- und Parkkontrollen, eine Beschränkung der Einfahrt in die Obermünsterstraße sowie eine bessere Beschilderung, um Parksuch- und Lieferverkehr zu reduzieren.
Hintergründe
Die Umfrage wurde mit LimeSurvey erstellt, vom Unternehmen figures statistisch ausgewertet und in Infografiken visualisiert.
Die Umfrageergebnisse im Detail:
- Umfrageergebnisse als PDF
- Datengrundlage anonymisiert






