Apollonias Garten
Seit September 2025 steht im Bereich der westlichen Obermünsterstraße wieder ein öffentlicher Aufenthaltsort ohne Konsumzwang zur Verfügung. Er greift die Idee der ehemaligen „Grünen Oase“ auf – eines Ortes, der 2015 unter dem Motto „Mehr Grün statt Beton“ vom Verein Transition e. V. ins Leben gerufen wurde. Die Oase entwickelte sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt im Viertel, an dem sich Menschen unabhängig von Konsum begegnen konnten. Gleichzeitig war der Ort jedoch mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert, darunter nächtliche Lärmbelästigung, Vandalismus sowie ein zunehmend baufälliger Zustand, der schließlich im März 2025 zu ihrem Abbau führte. Aus diesen Erfahrungen heraus entstand der Wunsch nach einer „Neuen Grünen Oase“, die den Anforderungen eines offenen Aufenthaltsortes gerecht wird und den nächtlichen Aufenthalt vor Ort reduziert.
Die Fragestellung
Wie können für Alle Aufenthalts- und Spielorte geschaffen werden, welche gleichzeitig Lärmbelästigung und Vandalismus senken?
Vorher
Anforderungen an den Aufenthaltsort
Basierend auf Interviews des „Labors der kreativen Köpfe“ und dem Beteiligungsprozess des Stadtplanungsamts wurden Anforderungen an den neuen Ort definiert:
- Aufenthaltsqualität schaffen
- barrierearm
- tagsüber flexibel nutzbar
- kein Kosumzwang
- Beschattung und Begrünung
- modular und langfristig nutzbar
- robust gegen Vandalismus
Umsetzung
Realisiert wurde die Maßnahme in enger Zusammenarbeit des Labors der kreativen Köpfe mit dem Stadtplanungsamt, dem Gartenamt, dem Architekturbüro studio emde sowie weiteren beteiligten Fachämtern. Sie ist als robuster, konsumfreier Aufenthaltsort konzipiert. Eine modulare Stahlkonstruktion rahmt den Bereich und bietet Platz für Rankgerüste, die mit Kletterpflanzen wie Hopfen, Schlingknöterich und Akebie begrünt werden. So entsteht im Sommer 2026 ein grüner, klar gefasster Raum mitten im Stadtraum.
Tagsüber stehen gebrauchte Tische und Stühle des Möbelherstellers Bofinger aus den 1960er Jahren zur freien Nutzung bereit. In den Abendstunden wird das Mobiliar in dafür vorgesehenen Gitterschränken vor Ort sicher verstaut, um eine nächtliche Nutzung des Platzes zu minimieren. Die tägliche Ein- und Auslagerung der Möbel erfolgt in Kooperation mit dem Café Friedl Zwo, das diese Aufgabe übernommen hat.
Dank des modularen Aufbaus kann die Konstruktion bei Beginn der Baumaßnahmen im Obermünsterviertel zurückgebaut und an einem anderen Standort im Regensburger Stadtgebiet erneut eingesetzt werden.
IMPRESSIONEN
Namensfindung
Vom 16. September bis 16. Oktober 2025 konnte online auf der Beteiligungsplattform mein.regensburg.de über einen neuen Namen für die „Neue Grüne Oase“ abgestimmt werden. Insgesamt wurden 11 Namensvorschläge eingereicht, die von anderen Nutzerinnen und Nutzern unterstützt werden konnten. Mit deutlichem Vorsprung ging „Apollonias Garten“ als Gewinner aus der Abstimmung hervor und erhielt 18 Unterstützungen.
Der Name überzeugt nicht nur durch seine positive Resonanz, sondern trägt auch eine besondere inhaltliche Bedeutung. Er wurde bewusst vorgeschlagen, um eine Frau im öffentlichen Raum zu würdigen. „Apollonias Garten“ erinnert an Apollonia Diepenbrock, eine Frau, deren Leben und Wirken für die Stadt Regensburg von besonderer Bedeutung war.
Wer war Apollonia Diepenbrock?
Quelle: Finken, Ursula: Apollonia Diepenbrock – Gründerin des ersten „Hauses für Frauen“ in Regensburg (1799–1880). In: Dietz, Karlheinz & Waldherr, Gerhard (Hg.): Berühmte Regensburger. Lebensbilder aus zwei Jahrtausenden. Regensburg 1997, S. 251–262.
Apollonia Diepenbrock (1799–1880) lebte viele Jahre in Regensburg und prägte mit ihrem Wirken das soziale Engagement der Stadt. Nach einer Ausbildung in der Krankenpflege arbeitete sie in verschiedenen sozialen Einrichtungen, bevor sie in Regensburg zunächst mehrere Patientinnen in ihrer Wohnung in der Niedermünstergasse betreute.
1845 gründete sie am Obermünsterplatz 5 das sogenannte „Josephshäuschen“, ein Haus für alleinstehende, arme, kranke und arbeitsunfähige Frauen ohne Anspruch auf kommunale Unterstützung. Dort lebten und arbeiteten rund 15 Personen. Apollonia pflegte die Frauen bis ins hohe Alter selbst und sorgte eigenständig für die Finanzierung des Hauses.
Mit ihrem Lebensweg schlug Apollonia Diepenbrock für eine unverheiratete Frau des 19. Jahrhunderts einen außergewöhnlichen Weg ein und widmete ihr Leben der Kranken- und Armenfürsorge. Sie starb 1880 im Alter von 81 Jahren.
Die Pflanzen
Apollonias Garten wird mit regionalen und ungiftigen Kletterpflanzen begrünt. Dafür wurden vom Amt für Stadtgrün drei robuste Arten ausgewählt: Schlingknöterich, Klettergurke und Hopfen. Die Pflanzen wurden im September 2025 gesetzt und erobern seit dem Frühjahr 2026 nach und nach die Rankseile.
Mit jedem neuen Trieb wächst der Garten ein Stück weiter. Das Ziel: Ein lebendiges Blätterdach, das Apollonias Garten überspannt, natürlichen Schatten spendet und einen besonderen Aufenthaltsort schafft.

























